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Widmar Morgenstern

In einem finsteren Winter, so erzählte man mir, kam der alte Holzfäller zu einer für ihn untypischen Zeit in unsere Dorftaverne. Unter dem Arm, in einem bauschigem, weissen Wolfsfell, trug er ein schreiendes und halberforenes Baby – mich. Einer der Wachmänner, der vor kurzem Nachwuchs bekommen hatte – einen Junge Namens Randolf – nahm mich in seine Familie auf, und das obwohl die Dorfältesten tuschelten und mich zurück in die Wildnis verfrachten wollten. Das ich an dem alten Menhir im Wald gefunden wurde setzte doch einige in Unruhe.

Doch das von den Ältesten beschworene Unglück blieb aus, und je größer ich wurde, desto mehr Freunde fand ich im Dorf, auch einige andere Kinder. Auch Randolf und ich verstanden uns gut – wir wuchsen zusammen in einer Familie auf. Wohnen taten wir in der Weberei, die unsere Mutter von ihren Eltern geerbt und übernommen hatte. Da wir auch in die Nachbarorte exportieren, war die Position unseres Vaters als Wachmann sehr nützlich, konnte er oft für gute Kurse Wachen für Warenlieferungen organisieren.

Vor allem mochten mich die Fischer, und unter ihnen besonders der grauhaarige Widukind, der mir viel über seine frühere Zeit als Söldner erzählte – nachdem ich mich dadurch als würdig erwies und sein Vertrauen gewann, dass ich niemand sonst von den tollen und spannenden Geschichten erzähle und als Geheimnisse für mich behielt.

Als ich aufwuchs, entdeckte ich durch Zufall eine gabe: Wenn ich mich genug konzentriere kann ich Dinge wieder zusammensetzen, die oft so zerbrochen sind, dass sie selbst der beste Handwerker nicht mehr wiederherstellen konnte. Mit dieser Gabe begannen jedoch meine Hände merkwürdig stark und knotig zu werden. Und so, obwohl meine Gabe des Öfteren von großem Nutzen war, so wurde die Erinnerung an meine Herkunft innerhalb von Mühlstädt wieder entfacht.

Dies hatte letzten Winter einen Höhepunkt, nachdem ein armes Baby innerhalb des Dorfes plötzlich verschwand. Das Dorf war in Aufruhr und einige Dorfbewohner behaubteten und flüsterten, dass ich das arme Ding zu meiner Feenfamilie gebracht habe – Dabei weiss ich überhaupt nicht so wirklich, woher ich stammte. Zum Glück konnte meine gute Freundin Gudrun die Meisten davon überzeugen, dass ich immer gerecht und gütig meine Pflichten im Dorf erfüllt habe und sogar großzügig Dinge repariert habe, wenn jemand dringend meine Hilfe brauchte. Auch Lily, die sich öfters bei Widukinds Familie aufgehalten hatte, legte ein paar gute Worte für mich ein.

Die letzten, argwöhnischsten Dorfbewohner hörten erst auf, als Goro Gao, der mysteriöse Einsiedler, der in den Hügeln hinter der Mühle lebt, die Stimme erhob und meinte, dass es gefährlichere Bedrohungen für das Dorf als ein armes junges Ding wie mich gibt. Ich bin nicht sicher was er meinte. Doch irgendwie erinnere ich mich an einen Fremden mit feuerroten Augen und Haaren, der etwas bedrohliches an sich hatte. War da nicht das deutlich wahrnehmbare Schlagen von Flügeln……?

In jüngster Zeit hat sich Widmar als tapferer Beschützer seiner Freunde bewiesen. Des Weiteren wurde er in einer Vision am versengte Stein an den Besuch des seltsamen Fremden mit den feuerroten Augen und das Schachspiel mit ihm erinnert. Welche Bedeutung es wohl hatte, dass das Spiel unentschieden ausging?

Das seltsame Gedicht des Klaus-Heinrich Hüksdorf

Vor Kurzem erinnerte sich Widmar wieder an das seltsame Gedicht, dass der verschollene Klaus-Heinrich Hüksdorf ihm erzählte:

Vor einstigen Tagen, Da schien ein Morgenstern so lichterloh, Das selbst die Herren fern‘ des Schleiers, In einer Stimme das Erbe der Ahnen besangen, Und die Geister der Ahnen erwachten, Liebevoll seinen Namen besingend, Und die Ahnen waren zufrieden, Und für Lebzeiten, all die Geister wachen über den Morgenstern, Der geboren ward, um seine Liebsten zu schützen, All die Stimmen sprachen und sangen zu Ehren der Ahnen, Und der Morgenstern ward glücklich über seinen Zweck in dieser Welt.

Klaus-Heinrich Hüksdorf erzählte Widmar davon, nachdem Widmar einen im Dorf spukenden Geist besänftigten könnte, nach dem dieser aufgeschreckt wurde als sein Lieblingskirschbaum gefällt werden musste.


kampagnen/beyondthewall/widmar.txt · Zuletzt geändert: 2017/07/23 15:27 von Toni